

“Unsere” Uni könnte basisdemokratisch sein. Laut der letzten Urabstimmung zu den Studiengebühren wären diese dann bereits abgewählt.
Momentan herrscht an der Uni jedoch eine Diktaur in der die demokratischen Rechte der Universitätsmitglieder immer weiter eingeschränkt werden. So sollen beispielsweise Fakultätsräte künftig nicht mehr eigenständig ihre Dekane wählen dürfen.
Aber wieso sollten sie auch? Schließlich ist ja nicht einmal unsere Präsidentin von uns gewählt worden. Sondern von einem vollkommen undemokratisch bestimmten Gremium namens Hochschulrat in dem in erster Linie Vertreter der Wirtschaft sitzen. Zu den Bekanntesten gehören darunter die HASPA und die Bertelsmannstiftung. Dieses Gremium wurde vom ehemaligen Wissenschaftssenator Dräger eingerichtet.
Das Ergebnis ist die ständige Missachtung geisteswissenschaftlicher Fächer. Als Studierende der Kulturwissenschaften muss ich ständig fürchten, dass mein Studiengang weggespart wird. Mit der Mesoamerikanistik, der Ägyptologie und anderen “wirtschaftlich irrelevanten” Fächern ist das bereits geschehen.
Für die ignorante Präsidentin, als Raketenforscherin mit Vergangenheit in der Rüstungsindustrie, sind diese Fächer nicht begreifbar. Ebensowenig wie die Sozialwissenschaften oder die Lehrerbildung.
Doch es bildet sich Widerstand
Die Bildungsstreikwoche war für viele kritische Studierende, Lehrende sowie solidarisches Uni-Personal der Auftakt für eine lang anhaltende Vernetzung. Neben kreativen Aktionen, Fakultätsbesetzungen, alternativen Seminaren und Demonstrationen sind vielerorts Gruppen entstanden, die sich auch weiterhin für eine basisdemokratische, kostenfreie und kreative Uni einsetzen werden.
Das Medienecho war gut, die Präsidentin steht kurz vor ihrem Sturz. Doch innerhalb der Universität, unter den Studierenden muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Gerade die neuen Bachelorstudierenden hinterfragen kaum ihre Lehr- und Lernbedingungen und werden zu stereotypem Humankapital verarbeitet.
Viele der Streikenden nutzten die freie Zeit nach eigenen Angaben dafür, einmal Luft zu holen und “für die Uni nachzuarbeiten”. Sicher ist auch das eine Form der Aneignung von Zeit, doch Widerstand ist es noch nicht.
Die Sympathien sind geweckt, doch es muss noch viel Mobilisierungsarbeit geleistet werden. Auch solid und der sds setzen sich aktiv dafür ein.
Der Kampf um die Bildung hat erst begonnen. In der kommenden Zeit stehen auf der Agenda der BildungsaktivistInnen der Rausschmiss der Uni-Präsidentin, die Abschaffung des Hochschulrates sowie eine massive öffentliche Kritik an den Grünen für ihre undemokratische und unsoziale Bildungspolitik, die außer faulen Kompromissen wenig hervorbringt.
Die genauen Forderungen sowie Termine für Treffen könnt ihr der Internetseite www.bildungsstreik-hamburg.de entnehmen.
Für den 9. Juli ist der Uni-Präsidentin der freiwillige Rücktritt geraten worden. Sollte sie diese Gelgenheit nicht wahrnehmen, werden wir eben etwas nachhelfen. Damit die Universität wieder ein kollektiver Ort der Bildung und Wissenschaft wird und kein kapitalistisches Wirtschaftsunternehmen, das dem profitorientierten Leitbild einer “wachsenden Stadt” folgt!