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Ein weiterer Fakt, der die Verflechtung von ökonomischen Interessen in die Strukturen der Bundeswehr aufzeigt, ist die Besetzung der den Plan für den Umbau vorantreibenden Strukturkommission. Sie wird fast ausschließlich von Unternehmervertretern besetzt.

Während seines Vortrages machte Tobias Pflüger deutlich, was der Angestrebte und teilweise schon vollzogene Umbau der Bundeswehr zu einer schlagkräftigen, modernen Armee, angelehnt an die Umstrukturierungen in NATO und EU, mit der Möglichkeit einer Eingreiftruppe in Krisenregionen, bedeutet. Wenn von Kürzungen im Verteidigungshaushalt gesprochen wird, geht es vielmehr um Umstrukturierungsmaßnahmen, die dazu führen, dass es quantitativ zwar zu einer Abrüstung, jedoch qualitativ zu einer Aufrüstung kommt. Diese soll die Bundeswehr vermehrt in Kriegseinsätze im Ausland führen. Für diese Eisätze wird auch Deutschland vermehrt auf Militärbasen im Ausland zur logistischen Abwicklung der Einsätze angewiesen sein. Der Referent machte hier darauf aufmerksam, dass diese vermehrt außerhalb nationalstaatlicher Terretorien und somit im Rechtsfreien Raum lägen, was eine Kontrolle in Anzahl und Organisation problematisch bis unmöglich macht.

Für ihr neues Profil muss die Bundeswehr auf der einen Seite den Rückhalt in der Bevölkerung bekommen und andererseits die benötigten menschlichen Ressourcen beschaffen mittels Rekrutierungsmaßnahmen. Hier sieht Tobias Pflüger einen Ansatzpunkt für antimilitaristische Politik indem aufgedeckt wird, dass es sich um eine Ausbildung für den Krieg handelt. Viele der zur Zweit beispielsweise in Afghanistan stationierten Soldaten sehen absolut keinen Sinn in ihrem Einsatz und sind nur vor Ort, weil sie pro Tag erhebliche Zusatzzahlungen zu ihrem Sold erhalten.

Als konkrete Forderungen aus einer antimilitaristischen Position vertritt Pflüger die Idee einer qualitativen Abrüstung, bei der, angefangen bei den kriegsführungsfähigsten Teilen der Armee, sukzessive eine Abschaffung der Bundeswehr von oben stattfindet. Er setzt sich dafür ein, die Abschaffung der Bundeswehr in den Programmentwurf der Partei DIE LINKE aufzunehmen.

Zusätzlich sollte der sofortige Austritt aus den militärischen Strukturen der NATO und perspektivisch deren Auflösung eine linke Forderung sein.

Bezüglich der EU sieht Tobias Pflüger seit dem Vertrag von Lissabon eine gestiegene Gefahr von Bundeswehreinsätzen im Inneren, wie sie auch schon während des G8-Gipfels in Heiligendamm stattgefunden haben. Das Bundesverfassungsgericht legalisierte diese nachträglich im Rahmen einer erweiterten Amtshilfe für die Polizei. Pflüger betrachtet die EU seit dem genannten Vertrag als Militärbündnis, mit dem der Einzige Umgang die Forderung nach einem neuen Grundlagenvertrag oder aber der Austritt sein kann.

Im Zusammenhang mit der bundespolitischen Situation und einer immer wieder ins Gespräch gebrachten Koalition der Partei DIE LINKE mit der SPD und den Grünen machte der Referent zum Abschluss deutlich, dass eine klare antimilitaristische Programmatik, für die er selbst auch kämpfen werde, mit einem solchen Bündnis nicht in Einklang zu bringen ist.