Der Widerstand gegen den Faschismus...
...in den zusammengelegten Städten Harburg und Wilhelmsburg war für die KommunistInnen und SozialistInnen selbstverständlich, schließlich bildeten die Faschisten die politische Kraft, die ihren Zielen gänzlich entgegen arbeitete. Schon vor 1933, aber auch nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten setzte sich die organisierte ArbeiterInnenschaft in Harburg-Wilhelmsburg gemeinsam mit anderen AntifaschistInnen hartnäckig erst offen, dann im Geheimen gegen die herrschenden Nazis zur Wehr. Alle riskierten ihr Leben, zahlreiche mussten fliehen, viele wurden ermordet.
In der Folgezeit...
...protestierten die BewohnerInnen der Insel wiederholt gegen verschiedene Missstände im Stadtteil, dessen Struktur sich aufgrund des Krieges und der Politik der Nationalsozialisten deutlich verändert hatte. Der Bau belästigender Straßen, die geplante Müllverbrennungsanlage, der Müllberg in Georgswerder, die Politik der Schillpartei, die mit ihren rassistischen Parolen versuchte, vor Ort Fuß zu fassen, die Armut usw. sind einige der zahlreichen Verfehlungen, gegen die sich in Wilhelmsburg Unmut äußerte. Wilhelmsburg diente dem "Tor zur Welt" als Hinterhof, auf dem die selbst geschaffenen Probleme der Hamburger Politik abgeladen werden konnten, damit sie aus dem Bild der Stadt verschwanden. Die eklatante Vernachlässigung des Stadtteils war kein Zufallsprodukt.
Und heute?
Die Veränderungen im Stadtteil sind groß. Laut den Plänen des Hamburger Senats soll Wilhelmsburg in naher Zukunft zu einem Stadtteil werden, in dem wohlhabendere, gutbürgerliche Mittelstandsfamilien wohnen, sich erholen und ihre freie Zeit verbringen können, während der Hafen weiter seinen Zugriff auf die angrenzenden Gebiete festigt. Mit den Millionen Euro teuren prestigeträchtigen Vorhaben wie der Internationalen Bauaustellung (IBA) und der internationalen gartenschau (igs) wird das Leitprojekt der Stadtentwicklungspolitik, der "Sprung über die Elbe", umgesetzt und aus der jahrzehntelang vernachlässigten Insel die "neue Mitte" der Stadt.
Vordergründig erscheint es, als ob der Senat auf die Wünsche der WilhelmsburgerInnen reagiert hat. Das Angebot an Mitwirkungsmöglichkeiten und Partizipationsgremien ist groß. Die Stadt und die IBA sind bemüht, sich möglichst volksnah zu präsentieren, um ihre Projekte zu verwirklichen. Aber auf wessen Kosten und zu wessen Gunsten? Wie andere Fälle belegen, wird die ökonomische Aufwertung schwerwiegende negative Folgen für die Bevölkerung haben: Arme Menschen werden aus dem Stadtteil verdrängt, die ohnehin für viele BewohnerInnen schwer zu zahlenden Mieten werden weiter steigen etc. Nicht die Menschen werden dementsprechend von der Umstrukturierungspolitik der Stadt profitieren, sondern die Unternehmen und die Senatskasse – wie es das alte Leitbild des Senats, die "Wachsende Stadt", vorsieht. Auch das neue Leitbild wird aller Voraussicht nach keine grundsätzliche Neuausrichtung der Senatspolitik beinhalten. Die Frage ist nur, werden die WilhelmsburgerInnen dieses Mal das Integrationsangebot der Politik annehmen und erneut ausbaden, was Andere ihnen einbrocken – oder werden sie für einen Stadtteil für alle kämpfen?
Die vierteilige Veranstaltungsreihe...
... „Ein Stadtteil für alle, eine Gesellschaft für alle! – Geschichte und Gegenwart sozialer Kämpfe in Wilhelmsburg“ widmet sich der Geschichte der sozialen Konflikte in Wilhelmsburg und der aktuellen Debatte über die profitorientierte Stadtentwicklungspolitik, Gentrifizierung und mögliche Strategien des Widerstandes. Alle Interessierten sind zu den Vorträgen sowie zu den anschließenden Diskussionen herzlich eingeladen.
Nähere Informationen wie die Themen der einzelnen Veranstaltungen, Termine und Wegbeschreibungen findet Ihr im Internet unter www.stadtteil-fuer-alle.de.vu .
Bei Nachfragen, Kontaktwunsch u.ä. schreibt uns eine Email an folgende Adresse: wilhelmsburg@linksjugend-solid-hamburg.de