Zunächst berichtete er davon, dass US-Truppen sich zur Zeit auf einen Großangriff in der Region Kandahar vorbereiten.
Insgesamt hat sich der Charakter des Militäreinsatzes Henken zufolge geändert – einen Hinweis darauf ist schon allein die Zahl der Toten: Die Zahl der getöteten Besatzungssoldaten ist von 57 im Jahr 2003 auf 520 im jahr 2009 gestiegen. Die Zahl der getöteten Zivilpersonen hat sich in den vergangenen drei Jahren auf 2.1412 mehr als verdoppelt.
Der u.a. dadurch für die USA notwendig gewordene Strategiewechsel liegt darin, dass neben einer Aufstockung der eigenen Truppen die Anzahl der afghanischen Sicherheitskräfte erhöht werden soll. „Es wird eine neue Taktik der Aufstandsbekämpfung angewandt, die den Stichworten „Shape, Clear, Hold, Build“ folgt. Wie hat man sich das vorzustellen? Nach dem Truppenaufmarsch (Shape) werden die Aufständischen angegriffen, d.h. vertrieben oder vernichtet (Clear), danavh wird der Raum dauerhaft besetzt (Hold) – das sollen afghanische Sicherheitskräfte, vor allem Polizisten machen, so dass abschließend ein ziviler Aufbau beginnen kann (Build)“ - erklärte Henken. Dass ein brutaler Krieg geführt wird, dem hauptsächlich Zivilpersonen zum Opfer fallen, wird gegenüber der Öffentlichkeit abgeschirmt.
Seit Dezember 2001 beteiligt sich die Bundeswehr an diesem Krieg. Der Einsatz wird von einer Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt.
Lühr Henken belegte in seinem Vortrag eindrücklich, dass das vorgeblich Ziel (eine selbsttragende sicherheit in Afghanistan) durch das Besatzungsmilitär nicht erreicht werden kann (und soll). Analog zum Irak will die NATO das Geschehen unter Kontrolle halten. Afghanistan wird in einen endlosen Bürgerkrieg gesteuert.
Eine Antwort darauf, weshalb dieser Krieg dann geführt wird, hat Lühr Henken auch parat. Er zeigt geostrategische Interessen der westlichen Mächte auf und erläutert, weshalb die USA beispielsweise die Kontrolle über Rohstoffe (vor allem Öl) und über den Pipelinebau in der Region halten will. Über die Kontrolle Afghanistans können dadurch Russland, Indien, Pakistan und auch China kontrolliert werden. Auch der pakistanische Bürgerkrieg ist vor diesem Hintergrund wichtig.
Lühr Henken kommt zu dem Fazit:
Dieser neoimperialistische Krieg ist falsch – nicht nur, weil er das Gegenteil von dem erreicht, was er vorgibt bekämpfen zu wollen (das Leben der ZivilistInnen soll angeblich gegen den „Terrorismus“ verteisugt werden) und nicht nur, weil gelogen wird, was sein angebliches Ende angeht. Er fordert, dass die NATO und damit auch die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen muss. Die BRD strebt jedoch im Gegenteil eine führende militärische Rolle in der EU und in der NATO an.
Den Menschen in Afghanistan kann jedoch nur durch ein Ende der Besatzung und des Krieges sowie durch einen zivilen Aufbau geholfen werden.
Im Anschluss an den Vortrag hat sich eine gute Diskussion entwickelt. Auch wenn es zu einigen Themen Kontroversen gab, waren sich grundsätzlich alle einig:
Der Krieg muss beendet werden – dazu muss die Bundeswehr sofort raus aus Afghanistan!