
Perspektivenwechsel
In den bürgerlichen Medien wird gern mit vorgefertigten Denkmustern gearbeitet. Mit anderen Worten das Drehbuch, wer die guten und wer die bösen Darsteller sind, ist schon vorher geschrieben. Von einem Blickwinkel jenseits dieser bürgerlichen Ideologie ergibt sich ein ganz anderes Bild auf das Schanzenfest:
Schon im Vorfeld versammelten sich rund 1.800 Personen rund um das Fest. Durch die Kampfausrüstung, Schlagstöcke und Wasserwerfer war zu befürchten, dass diese Personen gewaltbereit sind. Ihr militärisches Auftreten verstärkten diesen Eindruck. Während des Festes provozierten sie viele Menschen, die gemeinsam feiern wollten, indem sie drängelnd und schubsend durch das Fest marschierten. Noch während des Festes begannen sie mit Schlagstöcken und Wasserwerfern die Menschen auseinander zu treiben. Die Bühne musste hektisch abgebaut werden. Manche versuchten vor den Übergriffen zu flüchten, andere wollten sich nicht rumschubsen lassen. Die Eskalation der Situation war damit vorprogrammiert.
Durch diese Übergriffe wurde nicht nur das Fest kaputt gemacht, sondern auch mehrere Menschen verletzt. Einige wurden sogar von den vermummten Störern eingesperrt. Diese Gruppierung bezeichnet sich selbst als „Polizei“ und hat mehrere Bekennerschreiben veröffentlicht, in denen sie zu „Recht und Ordnung“ aufruft. Aus informierten Kreisen wurde bekannt, dass diese Gruppierung einflussreiche Unterstützer in Politik, Medien und Wirtschaft hat. Durch die einheitliche grüne Kleidung war es schwer einzelne Täter zu identifizieren. Sachdienliche Hinweise sollen an den Ermittlungsausschuss (EA) weitergeleitet werden.
Kultur in Hamburg – nicht ohne überwachen und strafen
Dieses Fest ist nicht erst seit Schill der Stadtbürokratie ein Dorn im Auge. Das Schanzenfest passt nicht in das Konzept der „wachsenden Stadt“ mit Prestigeprojekten, kommerziellen Großveranstaltungen und lückenloser Polizeiüberwachung, um sich im globalen Konkurrenzkampf für Kapitalinvestoren attraktiv zu machen. Wo kommen wir denn hin, wenn Leute einfach im Stadtteil feiern ohne vorher um Erlaubnis zu fragen? Da könnte ja ein „rechtsfreier Raum“ entstehen wo Menschen ohne Kommerz und Polizeiüberwachung zusammen kommen. Deswegen wird seit Jahren gegen das Fest Stimmung gemacht.
Das Schema ist immer dasselbe. Im Vorfeld heizen populistische Stimmungsmacher die Situation an und zeichnen das Schreckensbild von brennenden Strassen. An dem Tag selbst wird das Fest von Beginn an von einer bürgerkriegstaugliche Truppe mit Wasserwerfern, Kampfausrüstung und Schlagstöcken umstellt. Sobald ein geeigneter Anlass gefunden wurde, was bei einem Fest mit 10.000 Menschen keine schwierige Aufgabe ist, wird das Fest geräumt. Spätestens seit Schill wird auch gerne und ausgiebig von Schlagstöcken und Wasserwerfern gebrauch gemacht. Am nächsten Tag heißt es in der bürgerlichen Presse: Wie konnte es nur dazu kommen? Die Scharfmacher können sich nun auf die Schulter klopfen und feststellen: „Ich hab es vorher gesagt.“ - Ein hervorragendes Beispiel für eine selbsterfüllende Prophezeiung!
In diesem Jahr wurde eine besonders aggressive Polizeistrategie gefahren und –Überraschung- es folgten besonders krasse Strassenkämpfe. Tatsächlich behaupten die Verantwortlichen ernsthaft sie hätten schlimmeres verhindert mit dieser Eskalationsstrategie. Was bleibt ihnen übrig? Wenn die Politiker schon ,in Zeiten von Massenentlassungen und Sozialabbau, keine soziale Sicherheit mehr garantieren können, dann müssen sie wenigstens die „innere Sicherheit“ simulieren. Anstatt was gegen die wirklichen Probleme wie kaputte Atomkraftwerke, Massenentlassungen oder marode Schulen zu tun, wird lieber ein Straßenfest zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt und heldenhaft von der Polizei niedergeschlagen.
Die Frage ist aus dieser Perspektive vielmehr: Warum sollte es bei dieser Provokation und Heuchelei nicht zu Widerstand kommen. Wenn hier etwas verboten werden sollte, dann dies organisierte Verbrechen das sich „Rechtsstaat“ und „freie Marktwirtschaft“ nennt.