
Es gibt viele Sprüche und Parolen, die die Proteste der Bildungsstreikwoche an der Uni Hamburg prägten. „Bildung für alle“, „Moni wegstreiken“, „Studiengebühren abschaffen“, „Wirtschaft raus aus der Uni“... und viele mehr.
Beschäftigt hat mich jedoch besonders einer: „Das ist UNSER Haus!“. Ich habe mich gefragt, was ich damit eigentlich ausdrücken will und festgestellt, welch vielschichtige Bedeutungen in dem kleinen Wörtchen “unser” in diesem Fall stecken.
Zunächst einmal geht es um Selbstbestimmung. In diesem Fall um die selbstbestimmte Aneignung von Wissen und Bildung entgegen vorgeschriebener Erkenntnisse und abzuarbeitender Fragestellungen.
Die Modulisierung und Standardisierung wissenschaftlicher Abschlüsse durch Bachelor und Master blockiert das jedoch.
Dann geht es auch um Bildung als Gesellschaftsbildung. Als einen Prozess, an dem kollektiv jeder und jede teilhaben sollte. Wissen ist Macht und diese sollte sich nicht in den Händen einzelner konzentrieren. Das “Wir” meint also auch all jene, die von universitärer Bildung ausgeschlossen sind.
In “unserem” Haus können wir Fenster und Türen öffnen um einzulassen, aber auch um unsere Erkenntnisse in die Stadt und weiter zu tragen.
Dafür ist jedoch eine soziale Öffnung der Hochschulen nötig, die Abschaffung der Studiengebühren und die Einmischung und Kommentierung studentischer Vertretungen in allgemeine gesellschaftliche und politische Angelegenheiten. Dies ist dem AstA bisher nicht erlaubt.
Bildung und Aufklärung sind ein gesamtgesellschaftliches Gut, welches nicht dem Konkurrenzkampf ausgeliefert werden, sondern sich in ständiger wechselseitiger Ergänzung befinden sollte. Instrumente wie die Exzellenzinitiative oder die wissenschaftliche Heimlichtuerei der Uni-Präsidentin Auweter-Kurtz verhindern dies.
Nächster Schritt: Kita-Demo in Hamburg am Mi. 08.07.
Am Mittwoch, auf dem Höhepunkt der Bildungsstreikwoche, waren bundesweit 250.000 SchülerInnen und Studierende im Streik, um für eine bessere Bildung zu kämpfen. In Hamburg kamen knapp 15.000 SchülerInnen und Studierende zur Demonstration, die am Uni-Campus begann und dann durch die Innenstadt zog.
Die Stimmung war sehr gut und kämpferisch. Schon der Uni-Campus wurde mit Sprechchören wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“ beschallt. Als sich der Demonstrationszug gegen 11:00 Uhr in Gang setzte, konnte man in der Masse weder Anfang noch Ende überblicken. Viele hatten sich Schilder und Plakate selber gemalt mit Sprüchen wie „Das Geld ist doch da: 500.000.000 für die Elbphilharmonie“ oder „Burnout für 375 Euro“, auf diesen Betrag belaufen sich die Studiengebühren, die derzeit Studierende bezahlen müssen. Im Verlauf der Demonstration wurden immer wieder – auch ohne Anstimmung durch den Lautsprecherwagen – Sprechchöre gerufen.


In einer symbolischen Aktion haben mehrer Duzend Schüler und Studenten aus dem Bildungsstreikbündnis am Mittwoch gegen den vorhandenen Stau im Bildungssystem demonstriert. Wir verursachten einen Stau quer durch die Innenstadt. Die einzigen Versuche uns zu entfernen kamen von einem Karrieretypen im Anzug, der am Absperrband rumfummelte und was murmelte von: „Ich will das mein Bus fährt, ist mir egal was ihr wollt.“ Interresant wie so eine kleine Abweichung vom Alltag, wie 200 Meter zur nächsten Haltestelle zu gehen, einen erwachsenen Menschen fertig machen kann.
Die nicht Alltagsauthisten konnten wir durch das Aufhalten des Verkehrs am Gänsemarkt mit einem Transparent (Aufschrift „Bildungsstau“) auf die festgefahrene Situation in Schule, Universität und Ausbildung hinweisen.
Obwohl alle Studien eine enorme soziale Ungerechtigkeit im deutschen Bildungssytem nachweisen, wird hier seit Jahrzehnten kaum investiert. Auch die derzeitige Hamburger Bildungsreform ist kostenneutral angelegt, während die HSH NordBank mit Milliarden saniert werden.
Mit dieser Politik wird uns unsere Zukunft genommen. So kann es nicht weitergehen!
Daher geht in Hamburg am 17. Juni auf die Strasse und demonstriert gegen diese Verhältnisse!

Die bundesweite Streikwelle in den Kindertagesstätten ist nun auch in Hamburg angekommen. Bereits beim ersten Warnstreik sind über 2.000 Kolleginnen und Kollegen auf die Strasse gegangen. Kolleginnen und Kollegen aus rund 200 Einrichtungen des Tarifgebietes haben sich an diesen Protesten beteiligt. Diese hohe Beteiligung zeigt, dass die Forderungen des Streiks den Nagel auf den Kopf treffen.
Genug ist genug- diese Arbeitsbedingungen machen krank
Der Arbeitgeberverband AVH hatte vorher mit Arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht, weil der Streik illegal sein soll. Das ist eine Frechheit! Ein Streik ist unser gutes Recht gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Die Situation in den KiTas macht krank. Daher muss der Gesundheitstarifvertrag her.
Während viele Auszubildende keinen Arbeitsplatz finden, müssen in den Einrichtungen wenige KollegInnen die ganze Arbeit stemmen. Es gibt mittlerweile sogar Zeitarbeitsfirmen für ErzieherInnen. Aber für gute pädagogische Arbeit braucht es vollwertige Arbeitsplätze. Mit guter Bezahlung und Wertschätzung für diese Arbeit. Bei der jetzigen Personalschlüssel können KiTas nur zur Aufbewahrung da sein. Sie könnten so viel mehr sein!
Gemeinsam kämpfen- Bildungsstreik am 17.Juni
Nicht nur die Situation in den KiTas macht krank. Auch die Situation in den Schulen, Berufschulen und Unis macht krank: Notendruck, Zukunftsängste und Studiengebühren machen uns kaputt. Dabei geht es nicht nur um die schlechte Finanzierung, sondern auch um die fehlende Selbstbestimmung. Und was sollen erst die KollegInnen von Betrieben wie Opel oder der HSH Nordbank sagen. Hier wird über die Zukunft Tausender Menschen über ihre Köpfe hinweg entschieden.
Dieses System macht uns alle krank! Im Kapitalismus geht es nur um den Profit. Unsere Gesundheit ist unwichtig. Ja sogar mit der Gesundheit wird z.B. durch Pharmakonzerne Geld gemacht. Wir müssen dagegen gemeinsam kämpfen. Ein Generalstreik wie in Frankreich wäre ein deutliches Zeichen gegen den alltäglichen Wahnsinn. Der KiTa-Streik ist ein guter Anfang. Am 17. Juni findet ein bundesweiter Bildungsstreik an Schulen und Unis statt. Eine gemeinsame Demonstration von ErzieherInnen, SchülerInnen, StudentInnen und Auszubildenden an diesem Tag würde ein kraftvolles Zeichen setzen, dass wir nicht mehr alles still und leise hinnehmen. Ein System das uns krank macht verdient es abgeschafft zu werden!
Spätestens seit 1999 wurde mit dem sog. „Bolognaprozess" die Hochschulbildung mehr und mehr zu Humankapital. Dabei unterschiedet sich die derzeit noch stattfindende „Umstrukturierung der Universitäten von früheren Reformversuchen durch die Radikalität der Veränderung, weil in ihr das gesamte Verhältnis von Staat, Gesellschaft und Universität sowie die Rolle von Wissenschaft und Bildung fundamental neu definiert werden soll.“ Die Universitäten sollen als „Bildungs-Unternehmen“ auf dem internationalen Bildungsmarkt miteinander konkurrieren.
In diesem (Bildungs-)Unternehmen soll es auch nicht darum gehen, dass alle Mitglieder demokratische Mitbestimmungsmöglichkeiten haben und (universales) Wissen für die gesamte Gesellschaft entwickelt wird, sondern es soll vergleichbares Fachwissen produziert werden, welches (Bildungs-) Profite bzw. sog. „Humankapital“ abwirft. Damit dies funktioniert und die universitäre Aus-Bildung als Investition in (vermeintlich) vergleichbares „Humankapital“ wird, musste die Studienstruktur in das prüfungsintensive Bachelor- und Master-System umgebaut und Studiengebühren eingeführt werden.
Nach dieser betriebswirtschaftlichen Logik von Bildung können dann nur noch die Wissenschaften studiert werden, deren Anwendung auf dem sog. freien Markt größtmögliche Gewinne erwarten lässt, während kritische Wissenschaften und viele so genannte „Orchideenfächer“ aus der Universität herausgedrängt werden. Es kommt zu einer umfassenden Ausrichtung von Lehre und Forschung auf die Bedürfnisse der Wirtschaft. Deswegen verwundert es nicht, dass unsere Uni-Präsidentin, welche definitiv in Kategorien wie Humankapital, Ertrags- und Effizienzsteigerung, Verschlankung etc. denkt, ab 2009 für ganz bestimmte Fachbereiche mehr finanzielle Mittel bereit stellt und andere (wie z.B. der Erziehungswissenschaft) weiter kaputt kürzt. Und dass diese inner-universitäre Finanzumverteilung mit den Zielen des neoliberalen Konzepts der sog. „Wachsenden Stadt Hamburg“ übereinstimmt, ist sicher kein Zufall!
Doch die Umstrukturierung durch betriebswirtschaftliche Strukturzwänge geschieht nicht nur in der BRD, sondern sie geschieht europa- und weltweit. Die Umsetzung des „Bologna-Prozesses“ wurde dabei von diesen Regierungen benutzt um die Aufgabe von (Hochschul-) Bildung umzudeuten und ihre Stellung als öffentliches Gut und Menschenrecht in Frage zu stellen. Die in der Vergangenheit bis in die heutige Gegenwart anhaltende Unterfinanzierung der Hochschulbildung führt nun dazu, dass private Akteure sich als „finanzielle Retter“ des Universitätssystem darstellen können. Die Hochschulen welche vormals öffentliches Eigentum waren, werden so mehr und mehr „geraubt“ (privatisiert, lat. von privare ~ rauben). All diese Entwicklungen werden zwar aufgrund der unterschiedlichen landespolitischen Machtverhältnisse in Europa verschieden umgesetzt, gehen aber überall in die gleiche Richtung. Sie laufen europaweit nach den gleichen ideologischen Mustern ab.
Aber worum geht es denn dann eigentlich?
Es geht sicherlich nicht um die Finanzierbarkeit der Hochschulbildung. Denn dass die öffentlichen Kassen leer wären, und daher Studiengebühren eingeführt werden mussten, ist eine simple Propagandalüge. Dies wurde uns zwar gebetsmühleartig von der herrschenden Politik vorgekaut, ist jedoch spätestens seit der sog. „Finanzkrise“, bei der plötzlich ganz unbürokratisch 500 Milliarden Euro für bankrotte Banken bereitgestellt werden, unglaubwürdig geworden. Es wurde uns auch eingebläut, dass die Zeiten des ideologischen Klassenkampfes vorüber seien.
„Tatsächlich aber erweist sich die Auseinandersetzung um „Humankapital“ aktuell als empfindlicher Knotenpunkt eben desselben. Ob totgesagt oder nicht: Beim ideologischen Klassenkampf geht es bekanntlich um unsere Interpretation der Welt, darum, wie Wirklichkeit gedeutet wird und wessen Auslegungen und Konstruktionen dabei dominieren.“
So ist auch die allgegenwärtige Hegemonie des Humankapitalbegriffs im öffentlichen Bildungsdiskurs ein Indiz für eine politisch gewollte Umdeutung von (noch) öffentlicher Universitätsbildung. Vor dem Hintergrund der ohnehin schon ungleichen Chancen auf Zugang zu (akademischer) Bildung und befördert durch den Bildungseliten-Diskurs, tritt die Verwirklichung von freiem Zugang zu Bildung als fundamentalem Menschenrecht mehr und mehr in den Hintergrund. Wir dagegen fordern einen (gebühren-)freien, uneingeschränkten Hochschulzugang, sowie ein Bildungssystem, das soziale Unterschiede ausgleicht, statt zu verschärfen. Denn Bildung ist ein Menschenrecht und sollte eine gemeinschaftliche Angelegenheit sein, die es jedem Einzelnen ermöglicht sich als unabhängig und kritisch denkender Mensch zu entwickeln und darin zur Verbesserung der Lebensbedingungen aller beizutragen.
Aber geht das überhaupt?
Die heutigen universitären und gesellschaftlichen Strukturen sind nicht unveränderlich! Sie werden nur dann unveränderlich, wenn keiner etwas (dagegen) macht! Sie werden nur dann unveränderlich und zum vermeintlich „objektiven“ Sachzwang, wenn das Bestehende unkritisch hingenommen wird. Denn sie, die gesellschaftlich strukturierte Verfasstheit ist von Menschen konstruiert und kann deswegen auch von Menschen de-konstruiert werden! Und weil Ihr/wir ein Teil des Systems sind, sind wir auch (mit)wirkende Elemente des Systems. Es gibt immer die Möglichkeit der Aktion, welche das System verändern kann!
Fangen wir doch gleich an:
DIE LINKE.SDS Uni Hamburg, die GEW Studis, die Fachschaftsrätekonferenz und Regenbogen rufen auf zur fetten Bildungsdemo am Freitag, 21.11. um 15:00 vor dem Audimax. Kommt alle Zahlreich!

Zur Mobilisierung für den Schulstreik am 12. November (Demo 10:00 Hbf/Hachmannplatz) gibt es an diesem Wochenende zwei Aktionen:
Freitag, 07.11., 16:00 Uhr, S-Altona (Ausgang Ottenser Hauptstraße) und
Samstag, 08.11., 13:00 Uhr, Mönckebergbrunnen
Infotische mit Transparenten zum unterschreiben, spontane Aktionen, Rap (Holger Burner u.a.) und was uns sonst so einfällt. Seid kreativ

Bist auch du gegen das 12-jährige Gymnasium, Büchergeld und Leistungsdruck?
Dann komm auch du zum 2. offenen Organisationstreffen des Bildungsstreikkomitees und organisier einen Schulstreik für den 12.11.08!
Sonntag, 05.10.08, 15:00 Uhr
Ort: Im ehemaligen HWP-Gebäude (jetzt Department für Wirtschaft und Politik/DWP), Von-Melle-Park 9, Uni-Campus am Grindelhof
Weitere Infos: www.bildungsstreik-hamburg.de.vu

Bist auch du gegen das 12-jährige Gymnasium, Büchergeld und Leistungsdruck?
Dann komm auch du zum offenen Organisationstreffen des Bildungsstreikkomitees und organisier einen Schulstreik für den 12.11.08!
Offenes Treffen zur Organisation des Schulstreiks:
Sonntag, 14.09.08, 15:00 Uhr
Ort: Hamburger Uni, Von Helle Park 9, Raum: S27
Weitere Infos: www.bildungsstreik-hamburg.de.vu